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Darkling Eclipse in Der Standard

(Written 8 June 2008)

Wie ein Chamäleon lauert das Dekor bei Birgit Knoechl schattenwerfend in der Ecke.

(English abstract below)

Begegnung mit Mr. Loose
Symbolismus und das Verbrechen des Ornaments: Der Kunstverein das weisse haus zeigt die Ausstellung “Darkling Eclipse”

Okay, sie sind Mr. Loose nicht wirklich begegnet, wurden aber mit seinem Erbe konfrontiert. Und eigentlich hieß der Mann nicht Loose, sondern Loos – Adolf Loos, aber das Englische verdeutlicht einfach so schön dessen Sich-Losreißen vom Ornament, sein symbolisches Lösen ganzer Fenstersimse, die er Kaiser Franz Joseph am Michaelerplatz vor die Füße warf.

Jedenfalls sind die beiden kanadischen Curators in Residence des weissen hauses, Meredith Carruthers & Susannah Wesley, dem Verbrechen des Ornaments während ihres zweimonatigen Wien-Aufenthalts nicht ausgekommen. Die Biester der Vergangenheit im Kleid von Interieurs und Fassaden haben sich auf die Gegenwart geworfen, den Blick auf anderes infiziert. Dem Umstand, dass sich letztendlich das, was Loos als überflüssig und unangemessen verbannte, mit anderen Vorzeichen in den Ateliers wiederfand, verdanken wir die Ausstellung “Darkling Eclipse”. Loos und die Symbolisten – also die “Dreamers of Decadence” und “Dorian Gray” – im Hinterkopf, zeichnen die Kuratorinnen die dunkle Seite des Ornaments nach und spüren das “Dekor” als verbergendes oder auch wandelndes Phänomen auf.

Wie ein Chamäleon lauert es bei Birgit Knoechl bedrohlich in der Ecke oder wirft vieldeutige Schatten an die Wand. In Stacey Watsons “1/3 Gate” markiert es die Grenze zwischen den Individuen: Scheinbar sinnlos agieren zwei Personen dies- und jenseits eines verschwenderisch ornamental gestalteten Tors. Als Maske taucht das Ornament in Faith La Rocques “She-wolf” auf. Das Schemenhafte verstärkt den Gruselfaktor. Auf eher entblößende Art, nichtsdestotrotz unheimlich kriecht es bei Luke Painter als “Neck Brace”, die zu schmücken vorgibt, aber zu würgen vermag, in die Gesichter. Womöglich aber ein in Besitz genommener Schädel, eine Liebestrophäe. (kafe / DER STANDARD, Print-Ausgabe, 5.6.2008)

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(English abstract)

Meeting with Mr. Loose
Symbolism and the crime of the ornamentation: “Darkling Eclipse” at the Der Kunstverein das weisse haus

Okay, Mr. Loose was not really met, we were however confronted with his inheritance. And actually the man was called not Loose, but Loos – Adolf Loos, but our Canadian visitors pronunciation of the name clarifies the intention of the two curators in residence at das weisse haus (Meredith Carruthers & Susannah Wesley) – the symbolic tearing off or loosening of the stark beautiful from the mask of ornamentation.

During their two month stay in Vienna, the curators revisited beasts of the past in the decor of interieurs and facades threw themselves on the present, one infecting the other. The exhbition “Darkling Eclipse” explores in artist studios the circumstances that banished Loos as redundant and inadequate. With Loos, the Symbolists, “Dreamers of Decadence” and “Dorian Gray” – in mind, the curators delved into the dark and changing phenomenon of ornamentation. Like a Chamäleon it lies in wait with Birgit Knoechl threateningly in the corner or throws ambiguous shade to the wall. In Stacey Watsons “1/3 Gate” it marks the border between individuals. As mask, ornamentation dips into Faith La Rocques ” She wolf”. Luke Painter’s “Neck Brace”, creeps with uncanny ornament which serves not only to decorate but also perhaps to choke or overwhelm.

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